REPORTAGE
16 spektakuläre Kolonialstädte in Lateinamerika – Teil 1
In vier Teilen stellen wir je vier fabelhafte Kolonialstädte in Süd- und Mittelamerika vor, zum Auftakt aus: Kolumbien, Peru, Nicaragua, Ecuador.
Lasst euch einfach treiben – Spaziergänge durch Kolonialstädte sind faszinierende Streifzüge durch die Zeiten. Da öffnen sich Plätze mit Palästen und Kirchen. Da verstecken sich kühle Innenhöfe, ranken sich Blumen um Fenstergitter. Da schnüren sich Gassen zusammen, gesäumt von kalkweißen Fassaden mit kunstvollen Holzbalkonen. Hier schlendert man nicht durch erstarrte Kulissen, sondern mitten durch den Alltag. Viele Städte hat die Unesco zum Weltkulturerbe deklariert, sie alle sind historisch wertvoll.
Unsere Auswahl ist kein Ranking; in jedem der vier Teile gehen wir alphabetisch vor.
Cartagena de Indias, Kolumbien
Cartagenas Zentrum ist ein Gedicht aus Stein und Holz, angeführt von der Fülle der Balkone.
1533 gegründet, fungierte der Karibikhafen von Beginn an als Motor der Entwicklung. Hier wanderten Gold und Silber auf die Flotten nach Spanien, was Piraten anlockte. Deshalb verschanzte sich Cartagena hinter einem kilometerlangen Verteidigungsgürtel. Bei den Stadtmauern liegt eine der schönsten Kirchen, benannt nach Petrus Claver, dem 1654 in Cartagena verstorbenen Patron der Menschenrechte. Claver versorgte eingetroffene Schwarzafrikaner, die für den Sklavenmarkt bestimmt waren, mit Nahrung und Krankendienst.
Unselige Kapitel schrieb die Inquisition, die ihren Sitz in einem Stadtpalais bezog; im schattigen Park davor erhebt sich Freiheitsheld Simón Bolívar auf einem Denkmal hoch zu Pferd. Weitere „Must-sees“ in Cartagena sind das Goldmuseum, das Kastell San Felipe de Barajas und ein Abendbummel, wenn die Gassengeflechte in orangefarbene Lichter eingetaucht daliegen.
Cusco, Peru
Überlagerung als Zeichen des Triumphs – das steht leitmotivisch hinter der Kolonialarchitektur von Cusco. Zuvor hatte sich unter den Inka eine einzigartige Pracht entfaltet, denn hier lag der Mittelpunkt ihres Reiches. Fast alles machten die Konquistadoren dem Erdboden gleich. Der wichtigste Sonnentempel musste dem Dominikanerkloster weichen.
Der schönste Stadtplatz Perus ist die Plaza de Armas, umstanden von Arkaden und dem sakralen Großduo aus Kathedrale und Jesuitenkirche. Die Vergangenheit der Inka halten das Inkamuseum, Fundamentreste im Gässchen Siete Culebras und die riesige Festung Sacsayhuaman oberhalb von Cusco wach. Geschmackssache ist es, in einem Altstadtrestaurant eine kulinarische Spezialität zu testen: „Cuy“, gegrilltes Meerschweinchen.
Granada, Nicaragua
Fassaden leuchten gelb, rostrot, orange. Kirchen recken ihre Turmhälse empor und legen Zeugnis davon ab, welche Ordensgemeinschaften einst zur spirituellen Eroberung anrückten: ob Franziskaner oder Mercedarier. In den Straßen sind Karrenschieber, Bauchladenträger, Kutschen unterwegs. Die Pferde tragen Windeln. So bleibt Granada sauber.
Nicaraguas eindrucksvolle Kolonialstadt blickt auf eine Geschichte bis 1524 zurück und bewahrt ihr Flair – diverser Zerstörungen zum Trotz, nicht zuletzt durch Piratenangriffe. Abends, wenn sich die Dämmerung über den Zentralpark gelegt hat, den Parque Colón, blüht das Leben aufs Neue. Die historische Kulisse schafft einen idealen Rahmen, vor allem in der Calle La Calzada mit ihren Cocktailbars und Restaurants. Über Tag geben Turmaufstiege in der Kathedrale und in der Kirche La Merced lohnende Blicke frei über die Ziegeldächer bis hin zum Nicaraguasee und dem Vulkan Mombacho.










Quito, Ecuador
„Kloster Amerikas“. „Barockes Juwel der Anden“. Diesen Beinamensschmuck trägt Quito, wo die Kolonialgeschichte 1534 mit zwei Hundertschaften spanischer Siedler begann. Im Laufe der Zeit entstanden über dreißig Kirchen und Klöster. Sehenswerte Sakralschätze sind die Kathedrale, die Franziskanerkirche San Francisco, die Dominikanerkirche Santo Domingo und die Iglesia de la Compañía de Jesús. Dieses Gotteshaus der Jesuiten ist mit sieben Tonnen Blattgolddekors ausgestaltet.
Trotz einiger Erdbeben hat man es mit dem „besterhaltenen, am wenigsten veränderten historischen Zentrum in Lateinamerika“ zu tun, begründete seinerzeit die Unesco die Aufnahme Quitos ins Weltkulturerbe. Zugaben zu Ecuadors Hauptstadt sind die Andenkulissen, eine Seilbahn und ein Ausflug zum Äquatordenkmal.
Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann könnte dich auch das interessieren: Ouro Preto, Brasiliens schönste Kolonialstadt

