REISETIPS

Der Jakobsweg: Die 7 kuriosesten Stationen

Ob ein Weinbrunnen, Federvieh im Dom oder Damen „oben ohne“ hinter Klostermauern – die 7 kuriosesten Stationen auf dem Jakobsweg durch Nordspanien, ein Listicle von Ost nach West.

Pilgerskelette

Als vor Jahrhunderten Teleskopstöcke und Wanderschuhe noch nicht erfunden waren, erlagen viele Pilger ihren Strapazen nach der Überquerung der Pyrenäen. Im einstigen Augustinerkloster von Roncesvalles setzte man die Verstorbenen in den Tiefen der Klosterkapelle Sancti Spiritus anonym bei. Eine Luke gibt den schaurigen Blick auf Knochenreste frei.

Kostenloser Rotwein

Kann das sein? Oder lässt der Jakobsweg halluzinieren? Man dreht einen Hahn auf – und heraus kommt kostenloser Rotwein. Das erlebt man hinter Estella an der Weinkellerei Irache. Pro Tag stehen am „Weinbrunnen“ etwa hundert Liter zur Verfügung. Sollte das Depot leer sein, bleibt ein schwacher Trost. Aus dem Hahn daneben kommt Wasser.

 

fuente de las Nereidas
Der Nereidenbrunnen im Kloster von Samos

Dom mit Hühnerstall

In Santo Domingo de la Calzada ist dieser Anblick im Dom unglaublich: ein verglaster Hühnerstall mit lebendigem Federvieh. Die Erklärung liefert eine ebenso unglaubliche Legende aus dem Mittelalter. Damals war eine deutsche Pilgerfamilie unterwegs: die Mutter, der Vater und ihr halbwüchsiger Sohn. In Santo Domingo de la Calzada nahmen sie Unterkunft in einem Gasthof. Die Magd machte dem Jungen ein fleischliches Angebot. Doch er blieb standhaft und schlug es aus. Aus Rache versteckte die Magd einen Silberbecher in seinem Gepäck. Er wurde vom Landrichter des Diebstahls angeklagt und erhängt. Die Eltern wollten am Henkerspfahl Abschied nehmen und stellten fest, dass ihr Sohn noch lebte. Sie stürzten zum Haus des Richters, der an einer opulenten Tafel Platz genommen hatte. Vor ihm dampften ein gebratener Hahn und eine gebratene Henne. „Euer nichtsnutziger Sohn ist so lebendig wie das Federvieh“, spottete er. Da wuchsen den Tieren Flügel. Der Hahn krähte. Das Huhn gackerte. Sie flogen davon. Die Unschuld des Jungen war damit bewiesen. Ein weißer Hahn und eine weiße Henne bewahren die Erinnerung an das Mirakel.

Der Weg durch Klosterruinen

In der Meseta, der spanischen Hochebene, reißt dieser Anblick aus der Versunkenheit. Der Jakobsweg, der hier über ein Stück Landstraße führt, läuft durch die Ruinen des Klosters San Antón. Über dem Asphalt steigen die Reste der gotischen Bögen auf – und man geht tatsächlich mitten hindurch.

 

Sündhafte Symbolik

Ein Mann bohrt in der Nase. Ein Betrunkener hängt mit glasigem Blick über einem Weinfass. Ein Fantasietier schleckt genüsslich am eigenen Unterbereich. Im Chorgestühl der Kathedrale von León hätte man solche Holzreliefs sicher nicht erwartet. Des Rätsels Lösung lautet: Um das Gute herauszustellen, schufen die Künstler früher zum Vergleich auch Bilder des Böse und Sündhaften.

Damenbrüste im Kloster

In Galicien reibt man sich in einem Kreuzgang des Benediktinerklosters von Samos die Augen. Dort steigen steinerne Damen „oben ohne“ aus einem Brunnenbecken. Gefertigt wurde das Werk, als Debatten über Sexismus und Missbrauch in weiter Ferne lagen, nämlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Etikettiert sind sie als mythologische Nereiden – also Nymphen des Meeres mit schuppigen Unterkörpern.

 

Weihrauchwerfer mit 70 km/h

Am Ziel in Santiago de Compostela gehört Glück dazu, um dieses Spektakel in der Kathedrale am Ende einer Messe zu erleben: wenn der Weihrauchwerfer „Botafumeiro“ von einem Team aus erfahrenen Seilziehern über eine Aufhängung in Schwung gebracht wird. Dann schießt das dampfende Silbergefäß mit bis zu 70 km/h über die Gläubigen hinweg bis fast an die Gewölbe des Querschiffs. Weihrauch gilt als Zeichen von Verehrung und Reinigung. Offiziell kommt der „Botafumeiro“ nur an hohen Fest- und Ehrentagen zum Einsatz – doch gegen eine Spende an den Klerus von Santiago ist er auch käuflich.

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monasterio de San Antón
Der Jakobsweg führt mitten durch die Ruinen des Klosters San Antón