REPORTAGE
Buchara – ein Märchen aus 1001 Nacht
August 2026
Träume vom Orient werden hier wahr: in Usbekistans heiliger Stadt Buchara.
Die Dekors in Buchara verschlagen den Atem, stürzen in einen Rausch. Tausende glasierte Kachelstücke steigen am Toreingang in den historischen Moscheekomplex Kalon himmelwärts, setzen sich zu Riesenmosaiken zusammen. Die Menschen auf dem Freiplatz davor wirken winzig. Gegenüber vom Großen Minarett lässt die Sonne die Kachelpracht leuchten: Türkis, Himmelblau, Gelb. Geometrische und pflanzliche Motive fließen ineinander.
Welterbe der Unesco
Die Harmonie der Baukunst entspricht der Bilderbuchvorstellung vom Orient aus 1001 Nacht. „Solch einen Toreingang vergleicht man mit dem Eintritt ins Paradies“, bekräftigt Guide Najafali Burkhanov den Eindruck und sagt: „Buchara ist ein Freilichtmuseum und Welterbe der Unesco.“
Station auf der Seidenstraße
Buchara liegt im Südteil von Usbekistan, ist weitläufig von Wüste umgeben. Einst machten hier Karawanen auf der Seidenstraße Station. Die Stadt entwickelte sich zu einem der bedeutendsten islamischen und kulturellen Zentren Zentralasiens. „Es gab über 200 Koranschulen, die älteste in ganz Usbekistan stammt von 1417“, so Guide Burkhanov.
Medrese lautet der andere Ausdruck für eine Koranschule. Diese muslimischen Lehrstätten waren ebenso reich dekoriert wie der Moscheekomplex Kalon; zwei schöne Beispiele liegen gleich gegenüber davon. Portale, Kuppeln – einfach fantastisch.
„Islam light“
Usbekistan ist muslimisch geprägt, aber nicht radikal. Hier wurzelt ein „Islam light“. Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Viele Frauen tragen keinen Schleier. Die Rufe des Muezzins hallen nicht durch den öffentlichen Raum. Guide Burkhanov, selbst ein bekennender Moslem, weiß: „Religiöse Bücher werden von Staatsstellen kontrolliert, damit keine Propaganda verbreitet wird.“
Handel und Alltag
In den Kuppelbasaren blühen die Geschäfte. Es riecht nach Gewürzen. Teppiche und Seide gibt es massenhaft. Töpferinnen sitzen im Schatten und formen kleine Kamele.
Was im Stadtbild ebenfalls auffällt: Frauen, die in eleganten Kleidern regelrecht schweben, und alte Männer auf alten Fahrrädern.
Weitere Höhepunkte
Der Weg zu einem weiteren Höhepunkt der Baukunst führt durch einen Vergnügungspark. Usbeken lieben lärmenden Spaß. Das Ziel liegt in einem gepflegten Park dahinter: das Mausoleum der Samaniden-Dynastie, ein Zuckerbäckerwerk aus gebrannten Ziegeln mit Ursprung im 10. Jahrhundert. Es gilt als das älteste bedeutende Bauwerk Zentralasiens und wirft sein Spiegelbild in einen Teich.
Zu den „Top 5“ in Buchara zählt auch die Freitagsmoschee Bolo Chauz. Lang, schmal und ein wenig fragil schiebt sich ein Wald aus 20 hölzernen, teils kunstvoll geschnitzten Säulen unter den Vorbau, den eine Kassettendecke überspannt. Nach oben hin verbreitern sich die Säulen zu stalaktitenförmigen Kapitellen, die zarte Kolorierungen tragen. Der Kachelschmuck um den Eingang erstrahlt in Blautönen, Grün, Orange. Da verneigt man sich einmal mehr vor dem Erbe der alten Meister.











Abstecher zur Pilgerstätte
Kein Besuch in Buchara wäre komplett ohne einen Abstecher zwölf Kilometer nordöstlich. Dort liegt die verschwenderisch ausstaffierte Pilger- und Gedenkstätte Bahouddin Naqshband, benannt nach dem gleichnamigen Gelehrten (1318-1389), der hier begraben liegt. Guide Burkhanov erinnert sich: „Hierher gingen wir früher als Schüler zu Fuß. Arme Leute können sich keine Wallfahrt nach Mekka leisten, aber wenn man siebenmal nach hier kommt, dann ist das gleich.“
Hinein geht es durch ein symmetrisches Ensemble: ein überkuppeltes Kachelportal mit drei kleineren Bögen links und rechts. Davor steht gerade die 16jährige Fatima mit ihrer Familie. Fatimas Mutter hält sie an, mit uns ihr Schulenglisch zu praktizieren. Das klappt mehr schlecht als recht. Doch alle posieren gerne für ein Erinnerungsfoto.
Tradition und Moderne
Naqshband soll bescheiden, ärmlich gelebt haben. Im Haupthof, unter einem Maulbeerbaum, sitzen Gläubige auf einer Rundbank neben dem Mausoleum. Sie sind in Gebete und Andacht vertieft. Rundherum liegen offene Hallen mit Holzmalereien an den Decken. Das Sonnenlicht fällt durch Steinfenster und zeichnet Muster auf den Boden.
Ein Anblick der Gegenwart, ja, auch hier: Eine alte Frau prüft ihr Handy. Und eine große Digitaltafel zeigt die Gebetszeiten an. Etwas abseits sind zwei andere Damen ins Gespräch vertieft. Ihre weißen Schleier verraten, dass sie einen geliebten Menschen verloren haben und in einer vierzigtägigen Trauerphase stecken. Überall verzahnen sich Tradition und Moderne.
Zeitlose Weisheiten
Erst auf dem Weg zum Ausgang vertieft man sich in die Weisheiten Naqshbands, die auf Tafeln festgehalten und seit Jahrhunderten zeitlos geblieben sind.
Ein Sinnspruch lautet: „Unser Weg ist das Gespräch, gute Taten findet man nur in der gegenseitigen Kommunikation, nicht in der Absonderung.“
Darüber denken wir auf der Rückfahrt lange nach – und lassen uns dann wieder von der Pracht packen. Buchara ist wirklich ein Märchen aus 1001 Nacht.
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