REPORTAGE

Festrausch auf Malta und Gozo

Bunte Straßen, donnernde Klänge – von Mai bis September feiern die Mittelmeerinseln Malta und Gozo weit über hundert „Festas“.

Der Boden vibriert, der Himmel leuchtet. Nur keine Berührungsängste – stürzt euch in ein gelebtes Kulturerbe! Wenn zwischen Ende Mai und der zweiten Septemberhälfte die „Festas“ steigen, die tagelangen Kirchenfeste, gibt es auf Malta und der Nachbarinsel Gozo kein Halten mehr. Dann legen Städte und Dörfer in fast Disneyländischem Anstrich farbenprächtige Festkleider an. Dann explodieren Freude und Dezibel, vereinen sich Heiliges und Profanes. Dann erbebt der Boden unter den donnernden Klängen von Kapellen und dem Abschuss von Feuerwerk. Gäste sind willkommen. Bei Prozessionen regnet es manchmal Papierschnitzel.

 

365 Kirchen

Über Malta und Gozo, als „Inseln des Glaubens“ tituliert, verteilen sich 365 Kirchen – für jeden Tag des Jahres eine. Die Zahl der „Festas“ liegt insgesamt weit über hundert, die meisten steigen im Juli und August. Im Mittelpunkt steht stets der lokale Schutzheilige oder die -patronin, die man so laut und farbenfroh wie möglich hochleben lässt: Verehrung als Showtime, als ohrenbetäubendes Spektakel. Orte verwandeln sich in Bühnen, Gassen in verschwenderisch geschmückte Prachtboulevards. Kirchen erstrahlen in Lichtern und Dekors. Über die Kirchenfassaden legen sich Ketten aus Glühlampen.

 

La iglesia de Santa María en Naxxar
Die beleuchtete Marienkirche in Naxxar

Girlanden, Flaggen, Skulpturen aus bemaltem Gips

Die ausgelassene Stimmung reißt mit. Straßen sind mit Girlanden und Flaggen geschmückt, Hingucker die zahlreichen Open-air-Kunstwerke: Skulpturen und riesige Ensembles aus bemaltem Gips. Mal sind es gelockte Engel mit Musikinstrumenten. Oder Heilige. Oder historische Figuren wie Jean de la Valette, der 1565 die Große Belagerung der Osmanen abwehrte.

„Band Clubs“ und bröckelnder Glaube

Bei den Programmen fallen den „Band Clubs“ Schlüsselrollen zu. Diese Vereinigungen tragen die „Festas“ und sind der Kitt, der die Gesellschaft das ganze Jahr zusammenhält. Mitglieder müssen nicht aktiv gläubig sein, indem man sie jeden Sonntag in die Kirche gehen, versichert Führerin Francesca Vincenti. Die Gewohnheiten bröckeln auch hier, wie in anderen Ländern. Im Vordergrund des Brauchtums bei den „Festas“ stehen traditionelle Spiritualität und lokale Identität.

Feuerwerk und Glockengeläut

Die Grenzen zwischen Besinnlichkeit, Frohsinn und Jahrmarkt-Atmosphäre verlaufen fließend. Unter den Klängen von Blasmusik zieht bei Dunkelheit im Städtchen Naxxar gerade eine kleine Prozession an uns vorbei: Männer in weißen Hemden und roten Krawatten, auf ihren Schultern der Aufbau mit dem Bildnis einer goldglänzenden Marienskulptur. Der synchrone Wiegeschritt ist einstudiert. Die Mienen sind ernst. Die Lautstärke der Instrumente fährt uns durch Mark und Bein. Doch es geht noch intensiver …

Malteser lieben Feuerwerk. Über beleuchteten Kirchen lässt man es richtig krachen, oft erst ab Mitternacht. Glockengeläut vermischt sich mit Feuerwerksdonner. Die Inszenierungen der Pyrotechnik sind aufwändig. Dann strahlt der Himmel über Malta und Gozo.

Termine, festliche Kleidung und Streetfood

Überall bieten sich während der „Festas“ ähnliche Bilder und Schauplätze. Erkundigt euch vorher nach den genauen Terminen und Orten. Für das jeweilige Jahr führt die offizielle Website www.visitmalta.com normalerweise die wichtigsten Feste und Daten auf; besonders hoch her geht es um die Marienfesttage 15. August und 8. September.

Die Locals werfen sich in festliche Kleidung und fiebern ihrem Event des Jahres entgegen. Die Verpflegung darf nicht fehlen. Klassiker beim Streetfood sind „Pastizzi“, Blätterteiggebäck mit Füllungen wie Ricotta-Frischkäse oder Erbsenpüree.

Tipps für ruhigere Zeiten

Wem der Trubel bei den „Festas“ zu groß ist, wählt ruhigere Zeiten, um das reiche Kulturerbe zu erkunden: die Altstadt von Valletta mit dem Großmeisterpalast der Johanniter, die Katakomben in Rabat, der Paulus-Dom in Mdina. Ein Highlight der Natur ist die Blaue Lagune auf dem Eiland Comino, das zwischen Malta und Gozo liegt.

Zudem hat auch Malta hat seinen Jakobsweg: 37 Kilometer von Rabat durchs Inland bis zum Hafen in Birgu, wo sich die Pilger einst nach Sizilien einschifften. Die besten Wanderzeiten dafür sind Frühjahr und Herbst – fernab vom Lärm der „Festas“.

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Xagħra, isla de Gozo
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