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Gaudí in Barcelona: ein Geheimtipp

Überall in Barcelona herrscht Ansturm auf die Werke von Meisterarchitekt Antoni Gaudí – nur auf eines nicht.

Die Sagrada Família mit dem welthöchsten Kirchturm. Die Casa Milà mit ihren Wächterskulpturen auf dem Dach. Der sagenhafte Park Güell. In Barcelona ist der Andrang auf die Werke des Architekten Antoni Gaudí (1852-1926) riesengroß. Kann es überhaupt noch einen Geheimtipp geben? Ja, tatsächlich: die Torre Bellesguard fern der touristischen Mainstreams. Dazu fahrt ihr weit hinaus an den nordwestlichen Stadtrand in den Bezirk Sant Gervasi. Es ist ein stilles Wohnviertel. Neben Häusern wachsen Kiefern und Palmen, an den Straßen Magnolien. Efeu und Bougainvillea ziehen sich über die Mauern.

Kaum Zulauf, moderater Preis

Unter Zedern liegt der Zugang zur Torre Bellesguard. Der freundliche Mann an der Kasse schätzt die Zahl der Besucher an einem gewöhnlichen Wochentag „auf 20 bis 40“ – während zur selben Zeit abertausende in die Sagrada Família strömen. Hier hingegen erlebt ihr Gaudí nahezu exklusiv und intim. Ebenso erfreulich wie der geringe Zulauf ist der moderate Eintrittspreis: zwölf Euro.

Vista torre Bellesquard
Die Torre Bellesguard von einem Mauerstück neben dem Park aus gesehen

Ein verstecktes Juwel

Das versteckte Juwel liegt in einem Garten. Es ist ein turmgekröntes Landhaus, dessen Bau im Jahre 1900 auf geschichtsträchtigem Grund begann. Im Spätmittelalter hatte an selber Stelle die Königsresidenz des aragonesischen Herrschers Martí I. bestanden; nach dem Tod des kinderlosen Monarchen verfiel das Gebäude nach und nach. Gaudí schuf ein Bauwerk aus Neogotik und Modernisme, der katalanischen Spielart des Jugendstils.

Prächtiger Ausblick und Fischmosaike

Vögel zwitschern. Ein Luftzug streicht durch die Zedern. Der schlanke Turm trägt ganz oben ein Kreuz – typisch Gaudí, der auch als „Architekt Gottes“ bekannt ist.

Zunächst führt ein kleiner Umweg durch einen Torbogen hoch auf ein Mauerstück. Hier bietet sich ein prächtiger Ausblick auf das Palais, das vom ersten Moment an in den Bann zieht. Neben dem Eingang stehen zwei Bänke mit bunten Fischmosaiken – von jeder Seite schwimmt ein Fisch auf das Eingangsportal zu. Das schmiedeeiserne Gitter des Portals ist fantastisch.

Schmale Stufen hinauf

Das Bellesguard-Team öffnet regelmäßig die Pforten für die Entdeckung in Eigenregie. Das Innere des Palasts ist ein erstarrtes Zeitdokument. Einzig Besucher hauchen ihm Leben ein.

Ins Foyer hinab hängt eine kunstvolle Lampe. Ab dort führt der Weg aufwärts durch das Treppenhaus mit weiteren Keramikmosaiken. Ein Ausgang führt auf einen Balkon. Dann betritt man einen Saal mit Backsteingewölbe und gelangt wieder ins Freie auf eine Terrasse. Die Aussichten schweifen bis zum Meer und zur Sagrada Família. Hinterrücks im bewaldeten Bergland liegt der Fernsehturm Collserola in Sicht, nebenan der Backsteinkomplex der christlichen Privatuniversität Abat Oliba.

Jetzt wird es besonders spannend. Schmale Stufen führen nah an den Turmaufsatz heran. Das Kreuz trägt Bruchkeramik in Rot, Gelb, Türkis. Von der Stadtumgehung dringt der Verkehrslärm heran und bricht mit der Stille. Hier oben verstärkt sich der Eindruck einer mittelalterlichen Festung mit Zinnen. Originelle Fensternischen wirken wie zurechtgesägt.

Der unbekannteste Gaudí

So faszinierend alles ist – auf der verwinkelten Dachterrasse müsst ihr bei der Enge der Stufen höllisch aufpassen, wohin ihr die Füße setzt. Schuhgröße 45 – das macht es umso komplizierter.

Zurück aus den Höhen, empfiehlt sich eine kleine Rast im Park. „Der unbekannteste Gaudí“, sagt der freundliche Mann an der Kasse zum Abschied. Stimmt.

Öffnungszeiten

Die Torre Bellesguard (http://bellesguardgaudi.com) öffnet dienstags bis sonntags 10 bis 15 Uhr; letzter Einlass ist eine Stunde vorher. Die Teilnahme an einer Führung kostet 20 Euro und ist nur donnerstags bis sonntags möglich; die Führung dauert etwa eine Stunde.

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Cruz de la torre
Das Kreuz des Turms in Nahansicht