REPORTAGE

Almourol – die (vielleicht) schönste Burg in Portugal

Wie eine Erscheinung erhebt sich die Burg von Almourol auf einer Insel im Fluss Tejo und wirft ihr Spiegelbild ins Wasser. Es ist das (vielleicht) schönste Kastell in Portugal.

Portugals Mitte. Eine verlorene Gegend, etwa 130 Kilometer nordöstlich von Lissabon nahe dem Dorf Tancos. Plötzlich taucht sie hinter einer Straßenbiegung auf. Majestätisch, unwirklich, wie eine Erscheinung: die Burg von Almourol. Sie ist eingefasst ins sanfte Flusstal des Tejo, der hinter Lissabon in den Atlantik mündet.

VIsta sobre el Tajo
Im Mittelalter kontrollierten die Tempelritter diesen Abschnitt des Tejo

Boot zur Burg

Gebieterisch thront das Kastell auf den Felsmassen einer Insel mitten im Fluss. Es zeigt Zähne aus Zinnenreihen und hebt sich mit dem Braun und Grau der Türme und Mauern vor dem Himmelsblau ab. Dorthin führt einzig der Wasserweg. Ein Boot pendelt hin und her.

Erbe der Tempelritter

Wem kam es in den Sinn, ein Kastell auf einer Flussinsel zu erbauen? Die Ursprünge gelten als ungesichert und könnten auf die Römer zurückgehen. Im Mittelalter rückten die feindlichen Mauren an. Auf deren Vorgängerbau setzten sich im 12. Jahrhundert die Tempelritter fest. Unter ihrem Großmeister Gualdim Pais bauten die Templer die Festung aus und gaben ihr das Aussehen eines Ehrfurcht einflößenden, uneinnehmbaren Gebildes. Zusammen mit anderen Burgen formte Almourol einen Verteidigungsgürtel im Tejo. Nach der Auflösung des Templerordens versank sie lange in Vergessenheit.

Ruhiger Fluss

Am Ufer lässt sich Schiffer Alberto gerade Zeit. Er wartet auf mehr Besucher, um sein Motorboot zu füllen. Vögel zwitschern. In der Ferne breitet eine Krähenscharbe auf einem Felsen ihre Flügel zum Trocknen aus. Manchmal gebe es wegen der Stauseen Probleme mit dem Wasserzulauf, sagt Alberto. Der Wasserstand im Tejo kann niedrig, die Flussfärbung erstaunlich dunkel sein.

Heute fließt der Tejo ruhig dahin. Die Burg wirft ihr Spiegelbild ins Wasser. Bereits von hier aus lässt sich erkennen, wie viele Opuntien zwischen den Inselfelsen wuchern.

 

Überfahrt und Fußweg

Die Überfahrt dauert kaum drei Minuten. Aus der Perspektive nah an der Wasserkante wirkt das Kastell umso erhabener und gebieterischer. Trauerweiden und meterhohes Röhricht säumen die Ufer. Stechginster setzt gelbe Farbsprenkel.

Alberto legt butterweich auf der länglichen Insel an. Der Fußweg führt über Wurzelwerk und vorbei an Opuntien, dann durch einen niedrigen Bogen in den Burghof.

Mauermantel und Huldigungsturm

Die Burg folgte dem üblichen Muster der Militärarchitekur des Mittelalters: ein Mantel aus wuchtigen Mauern, äußere Rundtürme und mittendrin der hoch aufragende „Huldigungsturm“, Torre de Menagem. Die Baumeister verstanden es perfekt, die Burg über mehrere Höhenstufen anzulegen und passgenau auf den Felsmassen zu platzieren.

Stille Ecken und Winkel

Der Streifzug führt in stille Ecken und Winkel, über Wehrgänge, eine Treppe ohne Geländer, zu Ausgucken. In der Tiefe strudelt der Fluss an eine Sandbank. Der Widerschein der Sonne im Wasser sticht in den Augen.

Das Kastell von Almourol hat seine kriegerische Vergangenheit längst abgestreift. Es wirkt bis heute geheimnisvoll, strahlt seit der Restaurierung im 19. Jahrhundert aber auch Burgromantik aus.

Die Gemäuer haben im Laufe der Zeiten unterschiedlichste Menschen kommen und gehen sehen. Heutzutage bringt sie Alberto alle hin und zurück. Montags hat er frei – aber nur in der Nebensaison.

Die (vielleicht) schönste Burg in Portugal liegt abseits bekannter Routen – und lohnt jeden Umweg.

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Vista del castillo
Blick von der Burg in Richtung Tancos