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Die Sixtinische Kapelle von Valencia (Spanien)

Man muss nicht gläubig sein, um sich in Valencia von der sogenannten Sixtinischen Kapelle packen zu lassen. Dieses Highlight in der spanischen Mittelmeerstadt ist noch nicht allzu bekannt.

In Valencias Altstadt führt der schmale Zugang zur Sankt-Nikolaus-Kirche an Blumenkübeln längs. Die umliegenden Häuser versperren den Blick auf den Sakralbau, der etwas versetzt von der Straße liegt. Hat man den Kassenbereich passiert, öffnet sich plötzlich ein Szenario, als schöbe irgendwer einen imaginären Bühnenvorhang zur Seite. In der Kirche stürzen die Bilder mit Allgewalt auf ihre Betrachter ein. Fast 2000 Quadratmeter Fresken verschlagen den Atem. Kein Wunder, dass das Gotteshaus den Beinamen „Sixtinische Kapelle von Valencia“ trägt.

Bóvedas
Blick hinauf zu den farbsatten Fresken der Gewölbe

Gefesselt von der Kunst

Wo soll man zuerst hinsehen? Auf die Gewölbe, die Bögen, zum Altarbereich? Die getragene Stille mischt mit dem Gemurmel von Besuchern. Zwar war Michelangelo hier nicht aktiv, wie im Original der Sixtinischen Kapelle im Vatikan, doch eine solche Kunst in Valencia braucht sich hinter nichts zu verstecken.

 

Ein ungewöhnlicher Mix

Die Sankt-Nikolaus-Kirche ist eine der ältesten der Stadt, im Mittelalter erbaut im Stil der Gotik. Einige Jahrhunderte später kam die Idee auf, das Innere mit Fresken auszumalen. Das Projekt lief von 1697 bis 1700 unter dem leitenden Künstler Dionís Vidal, der international kein Begriff ist. Heraus kam eine Freskenpracht, die ihresgleichen sucht, und ein ungewöhnlicher Mix: ein gotischer Bau ausdekoriert nach dem Zeitgeschmack des Barocks.

Heilige im Fokus

Prägnant bei den barocken Fresken sind Szenen, die sich um die Leben und Wunder der beiden Kirchenpatrone Nikolaus von Myra und Petrus Martyr ranken. Jeweils sechs riesige Gewölbefelder sind damit gefüllt. Zum Altar hin liegt rechts die Nikolaus-Seite, links die Petrus-Martyr-Seite.

Blickt man hinauf zu den Motiven um Nikolaus, entdeckt man die Heilung einer gebrechlichen Frau, die Wiedererweckung eines Kinds und das Wunder der drei armen Mädchen, denen der Heilige als Mitgift drei goldene Äpfel in die Stube warf. Den Schlusspunkt setzt Nikolaus‘ Tod, historisch wohl im 4. Jahrhundert.

Schwenkt man zur Bilderfolge um den Dominikaner Petrus Martyr (1205-1252), sieht man seinen Eintritt in den Orden, seine Tätigkeit als gewandter Prediger, seine Ermordung bei Mailand. Sehr anschaulich bringt er einen stummen Jungen zum Sprechen, indem er seinen linken Zeigefinger auf die herausgestreckte Zunge des Kinds legt.

 

Unter Girlanden und Engeln

 

Die Fresken drehen sich nicht nur um Heilige. Das Künstlerteam reicherte die Gewölbe mit einer Fülle detailverliebter Zusatzmotive an. Da sieht man Blumen in Rot und Weiß. Goldgelbe Girlanden. Pflanzengrün. Pummelige Engel, teils im Fluge, teils sitzend.

Wie gut, dass es Kirchenbänke gibt, um selber Platz zu nehmen und die Blicke aufsteigen zu lassen. Fantastisch sind alleine die Farben von Gewändern in Himmelblau und Lila. Die Kolorierungen wurden bei der kostspieligen Restaurierung sorgsam herausgearbeitet.

Fülle der Feinheiten

Die Fülle der Feinheiten ist mit bloßem Auge nicht leicht zu erkennen. Mit der Kamera oder dem Smartphone lassen sie sich heranzoomen, auch für Fotos, die ohne Blitz erlaubt sind. Ein Audioguide hilft bei den Betrachtungen und lotst zum perspektivisch besten Fotopunkt.

Ganz hinten in der Kirche führt ein Durchgang zur Kommunionskapelle. Dort herrscht Stille. Dort kann man etwas Luft holen – bevor die Rückkehr zur Freskenpracht aufs Neue fesselt.

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Praktische Hinweise

Die Nikolaus-Kirche liegt in der Calle Caballeros 35. Besuche sind dienstags bis sonntags möglich. Der Eintritt beträgt 11 Euro, inklusive Audioguide auf Englisch, Französisch oder Spanisch. Unter www.sannicolasvalencia.com klickt man sich zur Reservierung von Besuchen durch.

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Efectos de espejo
Die Spiegeleffekte auf dem Kirchenboden verstärken die Wirkung