REPORTAGE

Im Bann der Seife in Bad Goisern, Österreich

Klein, aber fein ist dieses Besuchsziel in Bad Goisern im österreichischen Salzkammergut: die historische Seifensiederei. Durch Räume und Geschichte führt eine echte Seifenmacherin.

Früher, sagt Seifenmacherin Karina Wimmer, reinigte man einfach alles, ohne auf Inhaltsstoffe oder Oberflächen zu achten. Ganz gleich, ob man Holzböden schrubbte oder – gewöhnlich einmal wöchentlich, nämlich samstags – den eigenen Körper. Oft mit derselben Seife. Nämlich Kernseife, gewonnen aus Fetten minderer Qualität. Das ist heute schwer vorstellbar.

Authentisches Inventar

Wimmer führt in Bad Goisern kleine Gruppen durch die historische Seifensiederei, die ab 1870 bestand. Das Haus in der Kirchgasse 11 erkennt man leicht. Pflanzen ranken sich über die Fassade. Die Fensterläden leuchten grün. Ein farbsattes Wandgemälde zeigt die Verkündigung Mariens.

Der Betrieb ist längst eingestellt, aber das authentische, museale Inventar erhalten. Dazu zählen der Seifenkessel und die Seifenschneidemaschine. Dort zerteilte man die Kloben mit einem gespannten Draht in kleinere Stücke. Nicht fehlen darf eine Prägemaschine, mit der man die Seifen stempelte. „Produziert wurden eineinhalb Tonnen Seife alle zwei Wochen“, weiß Wimmer.

 

Fábrica de jabón
Das Haus der historischen Seifensiederei in Bad Goisern, Österreich

Erfinderin der regionalen Soleseife

Die fundierten Erklärungen von Karina Wimmer kommen nicht von ungefähr. Sie selber ist Seifenmacherin. Unter dem Label „Saponetta Carina“ stellt sie in ihrem Atelier in Bad Ischl Naturseifen her, die sie hier in den Räumlichkeiten zum Kauf anbietet. Preiswert sind sie nicht, aber hochwertig und handgefertigt. Laut eigener Auskunft hat sie die Salzkammergut-Soleseife erfunden. Also eine Seife mit Salzquellwasser. Das schlägt den Bogen zum Salzabbau, der in der Region seit 7000 Jahren floriert. „Eine gesunde Haut braucht beste Stoffe“, sagt sie.

Tierische Fette

Ihre eigene Problemhaut habe den Anstoß gegeben, selber Seife herzustellen, erläutert Wimmer. Das macht sie aber nur nebenberuflich. Eigentlich ist sie diplomierte Übersetzerin.

Am liebsten verwendet sie tierische Fette von Wildtieren von Gämsen und Hirschen, denn: „Das ist etwas Natürliches, die sind wenig belastet und stehen auch für unsere Region.“

Ein Geschenk zum Abschluss

Seife muss nicht immer riechen. Doch sie stellt auch Duft-Nuancen her. Soleseife mit Zirbe. Oder Soleseife mit Minze. Auch hochwertige Öle lässt sie einfließen. Die Seifen sind frei von Konservierungsstoffen und demzufolge nur begrenzt haltbar.

Zum Schluss des Rundgangs wartet eine Überraschung. Wimmer schenkt jedem Teilnehmer ein Stück ihrer handgemachten Naturseife.

 

Praktische Infos

Reservierungen nimmt man über die Website von Saponetta Carina vor. Der Besuch dauert etwa eineinhalb Stunden.

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Jabón natural
Handgefertigte Naturseife von Karina Wimmer